Bielefeld, 04.03.2012

Der Stammtisch im März 2012

Es ging um das Kapitel "Inside Information" bzw. „Erkundung in der Tiefe“ (Scherf) oder „Aus gut unterrichteter Quelle“ (Krege)

Ein Bericht von Carola Oberbeck

Und schon ist der März-Stammtisch wieder Geschichte!
Anwesend waren
Petra
Carina
Christoph
Dirk
Alexandra
Susy
Wilfried
Thomas
Matthias
Mario (mit Matthias)
Ciriel


Dieses Mal ging es um das Kapitel „Inside Information“ bzw. „Erkundung in der Tiefe“ (Scherf) oder „Aus gut unterrichteter Quelle“ (Krege). Scheint so, als wollte Scherf auf den Ort der Unterhaltung mit Smaug anspielen, während Krege eher direkt übersetzt hat.

Thorin beginnt gleich wieder mit einer „offiziellen“ Rede an Bilbo. Dieser kennt Thorin aber inzwischen gut genug und weiß, dass solche „Ansprachen“ meist bedeuten, dass er etwas für die Zwerge tun soll. Der Hobbit reagiert leicht ärgerlich und läßt anklingen, dass er als Meisterdieb angestellt wurde und den geschlossenen Vertrag eigentlich bereits übererfüllt hat.

Balin ist der Einzige, der Bilbo wenigstens ein Stück weit den Tunnel hinunter begleiten will, weil er den Hobbit „ins Herz geschlossen“ hat. Keiner der anderen ist mutig genug, Kili und Fili sind etwas verlegen.
Andererseits wird auch betont, dass die Zwerge ehrlich und vertragstreu sind und sich an ihr Wort halten. Man sollte eben nur nicht zu viel erwarten.

Zwerge bauen bessere Tunnel als Orks und Waldelben, deren Tunnel als „roh behauen“ bezeichnet werden.
Dazu ein Anachronismus: Der Gang wird schnurgerade (Krege) beschrieben, im Original „straight as a ruler“ oder „gerade wie ein Lineal“ (Scherf). Ein Lineal im „Hobbit“?
In Bezug auf den Tunnel tauchen noch ein paar weitere Fragen auf: Wie schnell gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit? Balin geht mit den Gang hinunter, bis er gerade noch den Schein der Tür sieht. Wie weit war das? Eng damit verbunden ist die Frage, wie lang Bilbo für den Gang brauchte. Einmal geht er noch bei Helligkeit los, kehrt aber erst um Mitternacht zurück, wobei das Gespräch mit Smaug nicht Stunden gedauert haben kann. Der Gang dürfte nach Fonstad etwa 2,5 km tief sein. Wie lange braucht man dazu im Dunkeln? Denn Licht hatte Bilbo nicht dabei. Hat Stich geleuchtet?
Als letztes zu diesem Thema noch die Frage: Wie sieht es mit dem Verhältnis von Tür und Gang aus? Wie breit ist die Tür nun genau? Einerseits heißt es, dass drei nebeneinander gehen können, aber man kann es auch als „3 Fuß breit“ interpretieren. Ist der Gang breiter als die Tür? Denn drei Fuß wäre doch schon schmal, noch nicht mal ein Meter.

Bilbo hat sich verändert, er ist mutiger und grimmiger. Andererseits existiert aber noch seine innere Stimme, die ihn als Narr beschimpft, und er wünscht sich auch immer noch nach Hause.

Smaug scheint ein Vetter von Fáfnir zu sein. Der berühmte Lindwurm liegt wie Smaug auf einem Berg von Gold. Was Ciriel dabei aufgefallen ist, ist Betonung von „rotem Gold“ (wie in der Nibelungensage), auf dem der Drache schläft.
Als Bilbo den unglaublich großen Goldschatz sieht, wird sogar er (leicht) von der Drachenkrankheit befallen. Ganz gegen seinen Charakter wird er auf einmal gierig und fragt sich, wie er die Schätze nach oben befördern kann.
Neben den nordischen Anspielungen gibt es aber auch einen deutlichen Hinweis auf Beowulf: Denn auch dort stiehlt der Held einen Pokal aus dem Schatz, woraufhin der Drache wütend wird und das Land verwüstet. Smaug ist außer sich vor Wut und hätte den ganzen Berg geschleift, wenn es möglich gewesen wäre. Zudem begibt er sich aus Rache genau deswegen ja auch nach Esgaroth und zum Langen See.

Hat Smaug Bilbo bei seinem ersten Besuch doch unbewußt bemerkt? Sein Traum von einem kleinen, aber gefährlichen Krieger mit einem „bitter sword“ („grimmigen Schwert“) paßt ja sehr gut auf den Hobbit. Wobei Bilbo ja genau darauf hinweist: Er ist ein Meisterdieb und hat mit der Bergung des Schatzes zu tun und nicht mit der Tötung des Drachens, das ist die Aufgabe eines Kriegers.
Wobei Bilbo im allerersten Entwurf des Buches noch Smaug im Schlaf erstechen sollte. Tolkien änderte das dann ab, weil er fand, das sei ein hinterlistiger Tod und nicht würdig für einen Helden. Zudem passt diese Handlungsweise nicht zu Bilbo.
Die Zwerge murren erst über Bilbos Protest, geben ihm dann aber recht.

Smaug hat einen sehr guten Geruchssinn. Er kann nicht nur Zwerge und Menschen am Geruch unterscheiden, er weiss sogar, wer auf welchem Pony geritten ist. Auch Bilbo wittert er, kann den Geruch aber nicht zuordnen, da er von Hobbits noch nicht gehört hat.
Smaug hat flammende Augen (hätte Bilbo vorher gewußt, dass Drachen ein Auge offen halten können, auch wenn sie schlafen, wäre er nicht so unbedarft in den Keller marschiert), die Strahlen werfen. Scheinwerfer?

Bilbo behält die Nerven, als Smaug um den Berg fliegt und rettet die Zwerge, indem er sie in den Gang drängt. Hätten sie nicht auf ihn gehört, wären sie alle umgekommen. Erst nachdem Bilbo so hartnäckig bleibt, besinnt sich auch Thorin wieder und übernimmt die Führung, indem er die anderen Zwerge in zwei Gruppen teilt und ihnen sagt, was sie tun sollen.

Die Unterhaltung zwischen Smaug und Bilbo hat ebenfalls ein Vorbild in dem Gespräch von Siegfried und Fáfnir. Darauf folgt auch der Beweis, dass Tolkien ein paar Kenningar einsetzt: Als Smaug Bilbo fragt, wie er heißt, spürt Bilbo, dass Ablehnen oder die Wahrheit sagen keine Optionen sind, wenn er überleben will. Also antwortet er in Rätseln, die Smaug beschäftigen. Der Leser weiss sehr genau, worauf mit „lucky number“, „ring winner“, „webcuter“, „stinging fly“ oder „friend of bears“ angespielt wird (schön auch „Ich kam aus dem Ende eines Beutels, aber über mich kam kein Beutel“), aber Smaug hat keine Ahnung. Im Endeffekt erzählt ihm Bilbo in „Stichworten“ sein gesamtes Abenteuer. Der Vorteil: Ein Wort kann bereits auf eine ganze Episode anspielen, allerdings muss der Zuhörer (oder Leser) wissen, auf welchen Sachverhalt angespielt wird. So etwas nennt man auch Kenningar (Singular „Kenning“), ein sehr beliebtes Stilmittel in alter nordischer Literatur.
Nachdem Smaug die Rätsel nicht knacken kann, versucht er Bilbo gegen die Zwerge aufzuhetzen. Er zweifelt, dass sie ihn auszahlen werden und weist darauf hin, dass vor Bilbo ein weiter und gefährlicher Weg nach Hause liegt. Haben sich die Zwerge auch darum Gedanken gemacht?
Dann wird er jedoch arrogant und zeigt Bilbo die kahle Stelle an seiner Brust. Er glaubt, nichts und niemand kann ihm gefährlich werden.

Die Drossel hört genau zu, was Bilbo berichtet.

Der Name „König Bladorthin“ fällt das erste und einzige Mal. Im ersten Entwurf war das der Name des Zauberers, während der Anführer der Zwerge noch Gandalf („der zauberkundige Albe“) hieß. Tolkien änderte das später, weil der Name Bladorthin nicht mehr paßte.

Auch erwähnt wird das Halsband (aus Smaragden) von Girion. Neben dem Nauglamir könnte das ganz vielleicht eine Anspielung auf Freyjas Halsband Brisingamen sein.

Die größte Heldentat Bilbos: Im Gang überlegt er (es ist von einem Kampf die Rede, den er mit sich ausfechtet), ob er weitergehen soll oder nicht und entscheidet sich am Ende fürs Weitergehen.

Es gibt eine kleine Anspielung ans Silmarillion, als die Rede davon ist, dass die Menschen ihre Sprache geändert haben, seitdem sie sie von den Elben gelernt haben.

Zum Schluss ein paar sprachliche „Auffälligkeiten“: Bilbo spricht in Bezug auf den Schatz von Krempel (Scherf).
Der Arkenstone wird mal als „Arkenstein“ und mal als „Arkenjuwel“ übersetzt – und zwar in einem Satz! Als Thorin „The Arkenstone! The Arkenstone!“ ausruft, als er sich an sein Erbstück erinnert, wird das bei Scherf übersetzt als „Der Arkenstein! Der Arkenjuwel!“
Der Name ist übrigens abgeleitet vom altenglischen eorkanstane („Edelstein").

Anschließend waren alle hungrig und mußten sich stärken. Danach ging es noch um Bücher, Filme, Serien und weitere Hobbys.

Wir sehen und wieder im April! Ich freue mich schon auf Euch!

Stammtisch Bielefeld

Der Stammtisch Bielefeld trifft sich jeden 1. Sonnabend im Monat. Das nächste Treffen ist am 01.06.2013 ab 17:00h.

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